Koi Zeit, koi Zeit...

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Völkerdurchsicht nach Feierabend

Wieder einmal ein Frühling, der vorbei rast wie ein Rennen der Formel 1. Durch die warmen Tage blüht alles nahezu gleichzeitig auf - Kirschen, Äpfel und selbst der Raps. Obwohl der doch bekanntlich erst am 27. April blüht ;-)

Bei den Bienen herrscht Flugbetrieb von früh bis spät und der Nektarfluss ist extrem. Nicht alle Völker können diesen Nektarstrom schnell genug aus ihrem Brutnest hinauf in den Honigraum verarbeiten. Insbesondere die Schwächeren tun sich da schwer.

Jetzt ist imkern angesagt.

Durch verschiedene Maßnahmen unterstützt der Imker die Bienen in ihrer Entwicklung. Und er versucht die Völker auf dem schmalen Grad zwischen guter Volksentwicklung und Dämpfung des Schwarmtriebes zu führen. Kommt ein Volk in Schwarmstimmung oder schwärmt es gar ab, dann ist es vorbei mit der Honigernte. Solche Völker haben andere Dinge im Kopf.

Wer am Wochenende aufgrund von privaten Terminen keine Zeit hat, der muss dann eben unter der Woche nach Feierabend noch eine "Privat-Nebenerwerbs-Schicht" einlegen. Doch ich empfinde dies nicht als Last. Bei abendlicher Stimmung draußen in freier Natur in Ruhe sich auf die Bienen einzulassen, das lässt mich den Stress des Tages vergessen.

Überraschung im unteren Brutmagazin

Wenn die Königin keine Eier mehr legen kann, weil über das gesamte Brutnest der Nektar verteilt ist, lässt der Schwarmtrieb nicht lange auf sich warten. Manchmal helfen dann alle imkerlichen Maßnahmen nichts, insbesondere wenn die Königin schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Wie bei uns Menschen lässt dann die Lebensenergie nach und das Volk setzt alles daran sich eine neue Regentin zu ziehen.

Nur durch Zufall haben wir die im Bild gezeigte Wabe im unteren Brutmagazin gefunden - im oberen Brutmagazin waren nahezu keine Anzeichen einer Schwarmlust zu erkennen. Aus einem Gefühl heraus haben wir doch als Stichprobe Waben aus dem unteren Brutraum gezogen und siehe da. Bei diesem Stadium wäre bis zum nächsten Wochenende ein Schwarm von diesem Volk abgegangen. So aber haben wir die Brutwaben mit den angezogenen Königinnenzellen aus dem Volk entnommen und gleich zwei "Blitz-Ableger" gemacht.

Kleinere Mittelwand schafft Freiraum auch bei verzogenen Rähmchen

Zwischen April und Juli muss ein Imker nicht überlegen, was er mit seiner Freizeit anfangen soll. Es gibt nämlich fast keine. Viel mehr ist es so, dass man das Gefühl hat ständig den anstehenden Aufgaben hinterher zu rennen. Macht man Ableger, dann werden auch bald Rähmchen mit neuen Mittelwänden zur Erweiterung der wachsenden Ableger benötigt. Ein sonniger Sonntag nachmittag wird genutzt, um auf der Terasse die Mittelwände in die Rähmchen einzulöten.

Imker sind neugierige Menschen, die probieren auch gerne mal was aus. Wir haben in diesem Zusammenhang dieses Jahr zwei Versuche gestartet

  • Die Mittelwände aus unserem eigenen Wachs haben wir um 5mm kleiner als das Standardmaß herstellen lassen. Das bewährte sich beim Verarbeiten prima, da hierdurch auch bei verzogenen Rähmchen genügend Freiraum um die Mittelwand bleibt. Steht die Mittelwand nirgends an, dann bildet sie keine Wellen und wir hoffen, dass damit der Wabenbau deutlich gleichmäßiger wird.
Rähmchen für Ableger - soll geführten Naturbau ermöglichen
  • Um den Bautrieb der Ableger zu befriedigen und trotzdem einen geführten Wabenbau zu erreichen, haben wir die Mittelwände diagonal durchgeschnitten. Wir wollen testweise einen Ableger mit diesen Rähmchen ausstatten und beobachten, wie die Bienen damit umgehen und die Volksentwicklung ist.

Da dieses Jahr die Ableger früh gebildet werden, bleibt genug Zeit für die Bienen die Rähmchen mit eigenem Wachs auszubauen. Sicherlich wird dies den Futterverbrauch der Ableger erhöhen (...gerüchteweise kostet 1kg Wachs 7kg Honig), aber wenn es der Gesundheit der Bienen zuträglich ist, dann ist uns der höhere Futterverbrauch egal.

Unsere Blühwiese - jedes Frühjahr eine Augenweide...

Neben der ganzen Arbeit gibt es natürlich auch die schönen Momente der Hobby-Imkerei - logisch, sonst würde man es ja nicht machen. Ein solcher Moment ist zum Beispiel, wenn man sieht wie sich unsere Blühwiese im Frühling entwickelt. Tausende von Blüten in unterschiedlichsten Farben und man kann sich kaum dran satt sehen. Doppelte Freude für eine(n) Imker(in), da sie/er weiß wie wertvoll eine solche Wiese für Insekten ist.

 

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