Bienenwachs und Honig-Qualität

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Die Analyse unserer Wachsproben beim Bieneninstitut Hohenheim ist gekommen und das nehme ich zum Anlass einmal ein paar Worte über das Thema "Bienenwachs und Honig" zu verlieren.

Bedeutung von Bienenwachs im Bienenvolk

Zunächst ein paar Erläuterungen für diejenigen, welche nicht so tief im Thema drin sind. Bienen schwitzen das Wachs aus speziellen Drüsen an ihrem Hinterleib. Sie bauen damit ihre Waben, von denen all ihre Lebensprozesse und Aktivitäten ausgehen. Waben sind Aufenthaltsort, Nahrungsspeicher und Kinderstube der Bienen. In der Welt der sozial lebenden Insekten sind Bienen damit die Ausnahme, indem sie ihren Lebensort aus sich selbst hervorbringen. Alle anderen Insekten verwenden zum Nestbau im wesentlichen Materialien aus der Natur (z.B. Wespen verwenden Holz, dass zu Papier zernagt wird).

Die speziellen Eigenschaften der Waben aus Bienenwachs ermöglichen es den Bienen auch bei kalten Außentemperaturen im inneren des Bienenvolkes aktiv zu sein. Die Waben übertragen Vibrationen, welche zur Kommunikation im Bienenvolk genutzt werden und das Wachs nimmt auch Duftstoffe auf, die dann zur Orientierung der Bienen im Stock eine wichtige Rolle spielen.

Durch diese besondere Beziehung des Bienenvolkes zu ihren Waben muss man eigentlich das Bienenwachs als Teil des "Körpers" eines Bienenvolkes ansehen, im übertragenen Sinn das Skelett eines Bienenvolkes.

Einlöten der Mittelwände in die Rähmchen

Bienenwachs in der Imkerei

Mit jedem Brutzyklus bleiben nach dem Schlüpfen der jungen Biene Rückstände in der Wabe zurück (z.B. Larvenhäutchen), in denen sich Krankheitserreger einnisten können. Je öfter also eine Wabe bebrütet wurde, desto höher ist das Infektionsrisiko für die junge Biene, wenn sie sich in der Wabenzelle entwickelt. Der Imker entnimmt daher die Brutwaben nach einer gewissen Zeit und gibt dem Volk für den Wabenbau frisches Bienenwachs in Form von Mittelwänden.

Diese Mittelwände kann der Imker im Fachhandel kaufen. Er lötet sie in die sogenannten Rähmchen ein, welche dann in das Bienenvolk gesteckt werden. Die Bienen verwenden dann überwiegend dieses Wachs der Mittelwände für den Wabenbau und erzeugen nur einen geringen Teil selbst . In der Imkerei wird dieser Prozess als "Wachskreislauf" bezeichnet.

Bienenwachs und Honig-Qualität

Leider ist es in unserer industrialisierten Landwirtschaft so, dass man aufgrund der großen Monokulturen nicht mehr ohne Pflanzenschutzmittel auskommt. Dies führt nun dazu, dass Bienen über den Nektar der Pflanzen auch diese Pflanzenschutzmittel in ihren Stock eintragen. Erfreulicherweise hat man durch wissenschaftliche Untersuchungen festgestellt, dass Bienenwachs durch seine lipophilen Eigenschaften diese Pflanzenschutzmittel aus dem Nektar zieht und damit die Rückstände an Pflanzenschutzmitteln im Honig deutlich reduzieren kann. Reift der in den Waben eingelagerte Nektar zu Honig, dann spielt das Bienenwachs eine wichtige Rolle für die Honig-Qualität.

Flüssiges Gold

Der negative Aspekt hierbei ist, dass sich die Pflanzenschutzmitteln im Bienenwachs anreichern. Auch aus diesem Grund muss der Imker den Wachskreislauf anstreben - altes Wachs aus dem Bienenvolk entnehmen und frisches Wachs zugeben.

Beim Zukauf von Bienenwachs verwenden wir seit 2010 ausschließlich Bio-Bienenwachs mit Zertifikat. Trotzdem wollten wir einmal wissen, was bei einer Laboranalyse an Fremdstoffen im Bienenwachs aus unseren Völkern gefunden wird. Wir haben daher dieses Jahr zwei Wachsproben an das Labor des Bieneninstitutes Hohenheim geschickt. Die erste Wachsprobe bestand aus frisch von den Bienen erzeugtem Deckelwachs von Honigwaben, die zweite Probe stammte von Altwaben aus dem Brutnest, die wir im Rahmen des Wachskreislaufes in diesem Jahr aus dem Bienenvolk ausgesondert hatten. Dieses Wachs wird sonst nur noch als Kerzenwachs verwendet.

Das Ergebnis hat uns positiv überrascht - weder im Deckelwachs aus den Honigwaben, noch in dem älteren Wachs aus Altwaben konnten Rückstände an Pflanzenschutzmitteln gefunden werden (...siehe Links unten, Analyseergebnisse). Wir betreiben den Wachskreislauf sehr konsequent, was nicht unerhebliche Arbeit bedeutet. Da freut man sich doch, wenn man sieht, dass die Mühe die man sich macht, auch einen Wert hat.

Analyseergebnis Deckelwachs...
Analyseergebnis Kerzenwachs...

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