Die Geschichte zu unserem Kastanienhonig

Spaziergang am Keschdeweg
Spaziergang am Keschdeweg

Mit der Ernte von Edelkastanienhonig liebäugelten wir schon länger. Nur leider ist es nicht ganz so einfach, geeignete Standplätze für die Bienen zu bekommen - besonders in Gebieten, die bei Imkern sehr gefragt sind. Und dies trifft für Standplätze in der Pfalz am "Keschdeweg" in besonderem Maße zu. Dort stolpert man während der Haupttrachtzeit der Edelkastanie quasi hinter jedem Baum über einen Bienenkasten.

Unser erster Anlauf vor einigen Jahren war leider wenig erfolgreich. Wir hatten es über die obere Forstbehörde versucht und verschiedene Forstämter angerufen, um einen Standplatz im Wald zu bekommen. Die Antworten waren ziemlich frustrierend. "Bleiben Sie mal lieber in Baden-Württemberg, hier gibt's schon Imker genug!" war da zu hören. Wir gaben damals entmutigt auf.

Blüten im Ansatz zu erkennen
Blüten im Ansatz zu erkennen

Durch einen Zufall kamen wir in 2020 zu einem netten Kontakt in der Südpfalz. Nach der ersten Kontaktaufnahme entschlossen wir uns dort hinzufahren und die Situation vorort zu begutachten. Ein schöner Sonntagsausflug war die Folge. Es ergab sich ein nettes Gespräch mit unserem Ansprechpartner, der vorgeschlagene Standplatz war erste Klasse - windgeschützt, sonnig am Vormittag, schattig am Nachmittag und direkt anfahrbar mit dem Anhänger. Da war der Entschluss ganz leicht für uns, in diesem Jahr mit unseren Bienen in die Edelkastanie zu wandern.

Andere Imker haben das "Potential" schon früher erkannt
Andere Imker haben das "Potential" schon früher erkannt

Und wenn man schon mal da ist, dann macht man sich natürlich als Imker ein Bild von der Umgebung. Man spaziert durch den Wald und schaut sich zum Beispiel an, wieviele Edelkastanienbäume es im Flugradius der Bienen gibt. Es gab jede Menge und die Blütenansätze waren auch schon deutlich zu erkennen.

Bei unserem Spaziergang entdeckten wir auch ein größeres Bienenhaus, das scheinbar nicht mehr betrieben wurde. Ein untrügliches Zeichen dafür, dass es in dieser Gegend reichlich Honig gibt.

Neben den imkerlichen Themen muss natürlich auch das kulturelle Interesse befriedigt werden, weswegen wir dann auch das Kloster Liebfrauenberg besichtigt haben. Eine schöne Anlage oberhalb von Bad Bergzabern gelegen. In das Gebäude selbst kann man nicht hinein (Privatbesitz), aber der Garten ist sehenswert. Da renoviert jemand mit viel Liebe und Engagement einen historischen Ort.

Blick auf Kloster Liebfrauenberg
Blick auf Kloster Liebfrauenberg
Früh am Morgen in der Südpfalz
Früh am Morgen in der Südpfalz

Nachdem wir die Frühtracht aus unserem Heimatstandort Bietigheim geerntet hatten, war es dann Ende Mai soweit. Am 30.05.2020 klingelte um 03:30 Uhr der Wecker und die Wanderung in die Pfalz war angesagt. Corona- und uhrzeitbedingt fuhren wir auf leeren Straßen durch Karlsruhe in Richtung Südpfalz und bereits um 9 Uhr waren die Bienen an ihrem neuen Standplatz auf Nektarsuche.

Das brummen im Wald von vielen anderen Bienen auf Sammelflug war deutlich zu hören. Ein sicherer Hinweis darauf, dass die Blüten der Edelkastanie bereits Nektar hatten. Gut gelaunt und voller Zuversicht machten wir uns auf den Heimweg.

9 Uhr - Sammelflug in der Edelkastanie ist gestartet
9 Uhr - Sammelflug in der Edelkastanie ist gestartet

Als wir Anfang Juli unsere Bienen nach Bietigheim zurückgeholt hatten, da konnten wir mit dem Ertrag zufrieden sein. Ein Honig mit wunderbarer Farbe und ausgewöhnlichem Geschmack rann aus der Schleuder. Oft schon hatten uns Imkerkollegen vor dem bitteren Edelkastanienhonig gewarnt. "Den kann man nur in der Pfalz verkaufen..." hieß es.

Doch dieser Meinung sind wir nicht. Einen mild-herben, würzigen Geschmack zeichnet diesen Honig aus. Wer Waldhonig mag, für den ist dieser Honig sicherlich auch interessant.

Unsere Wanderung 2020 in die Edelkastanie war ein voller Erfolg und schon heute steht fest, dass wir dort wieder hinfahren, sobald die Honigeimer leer sind.

Edelkastanie in voller Blüte
Edelkastanie in voller Blüte