Die Geschichte zu unserem Almhonig

Almwiesen im Frühling
Almwiesen im Frühling

Jedes Bienenjahr hat seine eigene Geschichte und damit auch jeder Honig. Unser Almhonig hat eine besondere Geschichte, diese begann als ein Freund von uns einen alten baufälligen Bergbauernhof auf etwa 1050 Meter Höhe im Paznauntal oberhalb der Silvretta-Hochalpenstraße erwarb. Schon beim ersten Besuch auf seiner "Baustelle" viel unser Blick auf den Blütenreichtum der ausgedehnten Almwiesen.

Und der Gedanke nahm erstmalig im Jahr 2013 konkrete Gestalt an. Doch wer jetzt glaubt "aufladen und hinfahren", der hat die Rechnung ohne europäische Bürokratie gemacht. Wir wendeten uns an das für uns zuständige Veterinäramt in Ludwigsburg und stellten die Frage, was zu beachten sei.

"Wollen Sie wirklich diesen Aufwand betreiben?!"

War die Antwort. Ja - wir wollten. Und es war uns zunächst einmal egal, welche Kosten hierfür anfallen werden. Wir hatten es uns in den Kopf gesetzt, also musste es sein. Gesagt getan, fand also Ende Mai 2013 eine amtsärztliche Untersuchung unserer Bienen statt, damit danach die sogenannte TRACES-Meldung vom Veterinäramt Ludwigsburg abgesetzt werden konnte.

02:30 Uhr - letzte Abkühlung mit Wasser vor der Abfahrt
02:30 Uhr - letzte Abkühlung mit Wasser vor der Abfahrt

Mit dieser TRACES-Meldung wird dem europäischen Verbund der Veterinärstellen ein Nutztiertransport angekündigt. Man muss die Grenzstation angeben, die man gedenkt zu überqueren und den ungefähren Zeitpunkt wann man über die Grenze fahren will. Damit wird den Veterinären an der Grenze eine eventuelle Kontrolle ermöglicht, bevor man mit den Nutztieren in das andere europäische Land einreist. Zusätzlich bekommt noch der Amtsveterinär des Zielortes eine Information, dass Nutztiere in sein Zuständigkeitsgebiet verbracht werden.

Die ganze Bürokratie ist natürlich für Schlacht- und Zuchtvieh gedacht und für ein paar Bienenstöcke "leicht" übertrieben. Dementsprechend hat uns auch bei unseren bisherigen Reisen ins Paznauntal nie jemand kontrolliert. Wer Imker ist, der weiß auch, dass eine Kontrolle eines Bienenvolkes bei Nacht nichts lustiges ist. Und schon gar nicht, wenn diese vorher über 250km Autobahnfahrt durchgeschüttelt wurden.

Wäre es zur Kontrolle an der Grenze gekommen, wir hätten die Spanngurte entfernt, die Deckel der Bienenkästen zugänglich gemacht und hätten uns dann mit einem freundlichen "good luck" vornehm zurück gezogen :-)

Mobiler Bienenstand auf 1050 Meter mit Aufblick
Mobiler Bienenstand auf 1050 Meter mit Aufblick

Anfang Juni 2013 war es dann soweit. Es war eine sehr heiße Nacht und der Flugbetrieb der Bienen dauerte an. Erst gegen 23 Uhr waren alle Bienen in ihrem Kasten und wir konnten die Fluglöcher verschließen und aufladen. Kurz vor Mitternacht war der Anhänger beladen und bereit zur Abfahrt. Wir gingen aber nochmal ins Bett um eine Mütze voll Schlaf zu bekommen. Gegen 02:00 Uhr standen wir dann auf, spritzten die Bienenkästen zur Kühlung mit Wasser nass und dann ging's los.

Imkern ist manchmal ein harter Job...

Alles lief wunderbar. Als wir gegen 5 Uhr im Schein der Morgensonne den Fernpass hinter fuhren, da kreuzten Gämsen und Rotwild die Straße und kaum ein Auto war unterwegs. Als wir schon gegen 06:30 Uhr am Bergbauernhof ankamen, wurden wir freudig von unserem Freund begrüßt - er war offensichtlich aufgeregter wie wir. Um halb acht war dann der mobile Bienenstand aufgestellt, die Bienen schon in ihrem neuen Umfeld unterwegs und wir saßen gemeinsam beim zünftigen Frühstück.

Wunderbares Bergpanorama im Paznauntal
Wunderbares Bergpanorama im Paznauntal

An jedem Standort macht der Imker seine speziellen Erfahrungen, weil der Pflanzenbestand und sonstige Rahmenbedingungen (Windschutz, Bodenfeuchte, usw.) nie gleich sind. Erst recht natürlich bei extremen Lagen wie im Gebirge. Was wir feststellen mussten war, dass die Witterungsbedingungen an diesem Standort sehr schnell wechseln und auch extrem sein können. Bereits in den ersten Tagen mussten die Bienen Nachttemperaturen aushalten, die bis nahe an den Gefrierpunkt gingen.

Kam tagsüber die Sonne heraus, dann stieg bei wolkenlosem Himmel das Thermometer rasend schnell über die 30°C-Marke. Trotz dieser rauhen Bedingungen entwickelten sich die Völker wunderbar. Als wir die Völker Anfang August nach Deutschland zurückholten, da konnten wir einen Honig aus diesen Völkern ernten, der aufgrund der Pflanzen- bzw. Nektarvielfalt ein einzigartiges Geschmacksbild hatte.

Im Jahr 2016 stellten wir zum zweiten mal Völker in den Almwiesen auf und auch dieser Honig hat ein ausgefallenes, einzigartiges Geschmacksbild. In diesem Jahr gab es allerdings zusätzlich eine Waldtracht, was dem Honig eine zusätzliche Würze und dunkelbraune Farbe verleiht.